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KAATSU Training bei koronarer Herzkrankheit

KAATSU Training bietet völlig neue Wege die Therapie nach einem Herzinfarkt effektiver zu machen. Eine japanische Studie zeigt vielversprechende Ergebnisse.

Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist eine Erkrankung der Herzkranzgefäße bei der Kalkablagerungen die Herzkranzgefäße verengen. Dadurch erhält das Herz nicht mehr genug Sauerstoff. Die häufigste Folge ist der Herzinfarkt. Mit einer ungesunden Lebensweise steigt vor allem bei Männern ab 40 Jahren und Frauen ab 50 Jahren das Risiko an chronischer koronarer Herzkrankheit zu erkranken. Risikofaktoren sind insbesondere Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht, Diabetes, Rauchen, Stress und ungesunde Ernährung.

Ziel einer Sporttherapie ist die Wiederherstellung oder Erhaltung der alltäglichen Selbständigkeit durch ein angepasstes Training. Die geringe Belastbarkeit der Patienten stellt jedoch die Trainingsmethodik vor besondere Herausforderungen. Überlastungen sind unbedingt zu vermeiden. Es müssen aber auch bestimmte Reizschwellen überschritten werden, damit überhaupt ein Trainingseffekt zustande kommt. Dann ist da auch noch das Zeitproblem: Viele Menschen haben wenig Zeit zum Training und die Änderung des Lebensstils fällt schwer.

Speziell im Bereich Krafttraining steht man im Bereich der koronaren Herzrehabilitation vor dem Dilemma, dass die Muskeln ungewohnt hohe Widerstände benötigen, um bedeutsame Trainingseffekte zu erzielen. Dabei kann es zu nicht tolerierbaren Belastungsspitzen das Herzkreislauf-System der Patienten kommen. Deswegen kann die Wirksamkeit traditioneller Krafttrainingsmethoden bei dieser Zielgruppe eingeschränkt sein. Das selbe gilt für die Entwicklung der Ausdauerleistungsfähigkeit. Intensive Intervall-Methoden, die bei gesunden Untrainierten sehr gut wirken, sind bei KHK-Patienten nicht anwendbar. Dauermethoden können vielleicht nicht lange genug durchgehalten werden.

Die Lösung könnte KAATSU Training sein, denn mit dieser Methode lassen sich Kraft- und Muskelzuwächse ohne schwere Gewichte erzielen. Auch Effekte eines intensiven Ausdauertrainings konnten bei KAATSU Training bereits nachgewiesen werden. Dabei handelte es sich aber bislang um trainierte Sportler oder gesunden Probanden. Es bleibt zu klären, ob ein KAATSU Training mit niedrigen Gewichten bei Patienten mit ischämischen Herzerkrankungen zum Kraft- und Muskelaufbau beitragen und eventuell sogar die Ausdauer steigern kann. Genau das wollten Professor Nakajima und seine Kollegen vom Uni-Klinikum Tokio in einem bereits 2010 realisierten Forschungsprojekt untersuchen.

Über 3 Monate führten sieben männliche Herzinfarkt-Patienten mit einer Herz-Bypass-Operation zweimal pro Woche drei Beinkraftübungen mit KAATSU Bändern an den Beinen durch. Die Übungen waren Beinpresse, Beincurl und Beinstrecker, von denen je 4 Sätze nach den typischen KAATSU Protokollen durchgeführt wurden. Die Gewichte betrugen dabei nur 20-30% der Maximalkraft. Das sind Widerstände, die normalerweise viel zu gering sind um Trainingseffekte zu erzielen.

Nach 3 Monaten wurden von jeder Übung die Kraftwerte und die Oberschenkelquerschnittsfläche mittels MRT ausgewertet. Die allgemeine Ausdauerleistungsfähigkeit (VO2max) und die Leistung an der anaeroben Schwelle (VO2at) wurde ebenfalls durch kardiopulmonale Untersuchungen gemessen.

Das KAATSU Krafttraining führte zu einer signifikanten Kraftsteigerung bei der Beinpresse (15%), der Beinbeugung (18%) und der Beinstreckung (17%). Die Zunahme des Muskelquerschnitts im Quadriceps lag bei 10,4%. In ähnlicher Weise wurden auch die Querschnitte der Kniesehne und des Adduktors durch das KAATSU Training erhöht. Besonders interessant: Durch das KAATSU Krafttraining stiegen auch die Ausdauerleistung VO2max und anaerobe Schwelle VO2at um knapp über 10%.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein KAATSU Training bei Patienten mit ischämischen Herzerkrankungen neben der Muskelmasse auch die Ausdauerleistungsfähigkeit erhöhen kann. Damit bietet sich die Methode aus Japan als wirksame Alternative zu herkömmlichen Formen der Sporttherapie an.